Einsamkeit

Frage an Yogi: Einsamkeit ist ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Es sind viele Menschen negativ davon betroffen. Darüber wird in den Medien viel berichtet. Was denkst du darüber?

Yogi: Wer ist einsam?

Fragender: Ich bin einsam. Ich fühle mich einsam.

Yogi: Wer bist du, wer fühlt sich einsam? Du musst erst einmal dein wahres Selbst ergründen, wer du bist. Dann bist du nie einsam. Das ist das, worauf dein Gefühl von  Einsamkeit dich aufmerksam machen will. Nun hör gut zu!

Es gibt nur EINS, („ishvara“), unfassbar, nicht benennbar, nicht begreifbar, Schöpfer, Gott genannt. Du bist Teil dieser Ganzheit, deshalb heißt du auch Individuum (=Unteilbares) und bist stets mit Ihm verbunden, mit EINS zusammen, das heißt „EINSAM“. Wer mit Gott (Quelle) verbunden ist, hat keine Angst. Hast du aber Probleme, liegt das nur daran, dass du dich von Ihm getrennt und deine Individualität verloren hast. So wie ein Fluss, der sich von der Quelle trennt, langsam austrocknet.

Zuerst musst du eines verstehen, nämlich, dass dein wahres Wesen ein spirituelles ist, unfassbar, unbegreiflich, göttlich.

Dein spiritueller Same hat den materiellen, physischen Körper erlangt, basierend auf schicksalhafter Ursache-Wirkung von vergangener Lebensweise. Deshalb bist du als Mensch geboren und hast den Verstand bekommen, damit du in den vorhandenen unterschiedlichen Wellen die dynamische Stabilität aufrechterhalten kannst. Die spirituelle Herkunft ist die Basis des Daseins. Das Wesen der Materie ist die stete Veränderung, Verwandlung in die nächsthöhere Stufe, z. B. von der grobstofflichen in die feinstoffliche Materie. 

Diese Wandlung durchdringt die verschiedenen Phasen, Stufen, von grobstofflich, physischer Körper, feinstofflicher Materie, Geist, herzlich emotionaler Stufe und führt schließlich wieder zu ALLEINS. Das heißt, von EINS kommst du her, daher bist du Individuum, machst alle Phasen durch und zu EINS, der Quelle, willst du naturgemäß wieder hin. Du bist ein göttliches Wesen.

So wie es verschiedenes Wetter gibt, so gibt es auch in uns verschiedene Entwicklungsphasen bzw. Wellen. 

Wer bestimmt dieses wechselhafte Wetter? Du wirst jetzt sagen: Himmel und Erde.

Wenn aber Himmel und Erde nicht etwas Dauerhaftes bewirken können, wie wenig kann das der Mensch? 

Alles ist in Bewegung, ist ständiges Loslassen, eigentlich gibt es nur Bewegung, bis du dein Ziel erreicht hast.

Du bist allein gekommen und wie ein Fluss wirst du deinen Weg durch die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten zum Ozean finden. 

Um die verschiedenen Bedingungen, Phasen, Beschaffenheiten, Schichten, Hindernisse, Wellen durchzustehen, wurde dem Menschen der Verstand (das Hirn, der Intellekt, das Unterscheidungsvermögen) gegeben, damit er sich vor Gefahren und Bedrohungen schützen und das Leben mehren kann.

Da du aber durch die Erscheinungsformen dieser Welt hindurchmusst, hast du angefangen, die Begegnungen zu bewerten, Beziehungen zu schaffen und zu behalten und als „deine“ zu bezeichnen. Da liegt das Problem:

Du gehst weg von deinem eigenen, inneren Weg (Programm) nach außen und versuchst, das Angenehme auf Dauer festzuhalten. So verwickelst du dich vom Sein ins Habenwollen und versuchst etwas festzuhalten, was nicht festzuhalten ist. Damit verlierst du den Sinn deines eigenen Lebens und suchst ihn in den Objekten und Erscheinungen. Du bist geboren, um zu sein. Sein ist stete Wandlung und Veränderung. Der Lebenssinn ist ewig, Haben ist vergänglich. Bist du im Haben verloren, gehst du den bequemen Weg, statt durch die Herausforderungen weiter zu wachsen. Dieser bequeme Weg ist nicht dauerhaft, du willst aber etwas Dauerhaftes, weil du selbst ewig bist.

Obwohl du über die Vergänglichkeit der Materie Bescheid weißt, leidest du und bist unglücklich im Paradies. Somit lebst du unzufrieden in deiner Vorstellung. Vorstellungen sind Gedanken. Gedanken sind deine Gedanken und du bist selbst dafür verantwortlich. Du kannst dir Positives aber auch Negatives vorstellen.

Vorstellung ist wie ein Film im Kino, nicht real, aber wirksam. Du identifizierst dich damit, beziehungsweise mit der Maske, („persona“) und assoziierst dich damit. So bist du das geworden, was du in Wahrheit nicht bist. Statt als Mensch fühlst du dich nur mehr mit deinem z. B. Titel, Beruf, Zustand, usw. identifiziert und bist davon abhängig, hast dich von Eins getrennt und bist Dividuum geworden. Du lehnst ab, was nicht zu deiner Vorstellungswelt passt. 

Daraus ergeben sich zwei Arten von Einsamkeit. Eine basiert auf „sat“ – Wahrheit, die andere auf „asat“ – Unwahrheit, Illusion/Traum. Beide sind aber in dir. Nutzt du dein wahres Wissen, dein inneres Programm, bist du nie einsam. Orientierst du dich nach außen, an Haben, mit Intention, verlierst du dich in der Erscheinungswelt, weil du deine Wünsche alle erfüllen willst. Du fühlst dich einsam und gerätst in Abhängigkeit, bist oberflächlich geworden, deine Wurzeln sind flach, du hast keinen Halt und fühlst dich nicht einmal in deinen vier Wänden geschützt, sondern einsam. Du hast alles, was du für das Leben brauchst, bist aber durch deine Art der Vorstellung unzufrieden und versuchst immer wieder das Fehlende im Außen durch Haben zu kompensieren.

Du wirst dich jetzt fragen, wie du dich aus diesem Netz, indem du wie ein Fisch zappelst, befreien kannst.

Meditation ist das einzige Mittel, das dir auf dem Weg zur wahren Einsamkeit helfen kann, z. B. Karmyog, Tun statt Denken, und zwar mit voller Hingabe, ohne Absicht, auch das ist Meditation. Die wahre Einsamkeit ist frei von Angst und Polarität, frei vom Ego, der Maske, stellt dein wahres Wesen wieder her, und du bist mit der Ganzheit im ewigen Sein verbunden.

 

„Sei ganz da, wo du bist, um das zu sein, was du bist!“ 

 

Vereint euch mit Sein! 

OM TAT SAT 

Yogi Krishnananda

 

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