KARMYOG: Kunst des Handelns

 

 

„karm“ - Tun, Aktion, Handlung, Dienst, Bewegen, Werken, Verändern.

„yog“ - binden, anschirren, vereinen, ganz machen.

„karmyog“  - bedeutet eine Tätigkeit, die zur Verbindung des individuellen Bewusstseins („atma“) mit dem höchsten Bewusstsein („paramatma“) führt, bzw. man erfährt durch diese ganzheitliche, selbstlose Handlung die Verbindung mit der Quelle, mit der absoluten Wahrheit. Der Sinn des Lebens ist, Gott zu dienen, ohne Lohn zu erwarten. 

In der materiellen Welt ist Handeln jedoch mit Absicht verbunden, wenn man mit Absicht handelt, handelt man nicht von Herzen und ganz wertfrei.

Das wahre Wesen des Handelns ist ohne Absicht, das heißt sich dem Handeln voll hinzugeben.

Man spricht manchmal vom „flow“-Effekt, das richtige Wort wäre Transzendenz, d.h., der Handelnde verschwindet, „es wird“ gehandelt, so wie ein Künstler voll mit dem Bild verschmolzen ist, so bleibt nur Handeln, bleibt nur Kunst übrig.

Obwohl wir von Natur aus Künstler sind, haben wir diese Fähigkeit, ganz zu handeln, im Laufe der Zivilisation verloren. 

In unserer gewöhnlichen Welt wird auf Kunst bzw. auf Kunststücke großer Wert gelegt, es werden große Kunsthallen gebaut, Ausstellungen organisiert, Unsummen für Kunstwerke ausgegeben. Der wesentliche Grund, der dahinter steckt, der die meist an Materie orientierten Menschen anzieht, scheint der, dass denjenigen etwas Wesentliches fehlt, das sie mit diesen materiellen Mitteln kompensieren wollen. Ihnen ist Haben wichtiger als Sein.

Um das Wesen der Kunst aber zu verstehen, muss man zuerst Kunst werden, denn Kunst ist ein Seins-Zustand. Kannst du das? Merke: Sind Betrachter und Kunst eins geworden, verschwindet das Alltägliche, das ist Meditation.

Es ist die Kunst des Künstlers, seine Kunst kunstvoll als Kunstwerk zur Schau zu stellen. 

Die tiefste innere Botschaft der Kunst ist aber, den Menschen aufzuwecken,  ihn zu inspirieren, dem Künstler zu folgen. Man versucht meistens jedoch, die Kunst, die unfassbar, allgegenwärtig ist, zu erfassen, zu bewerten, zu besitzen. Damit geht der Sinn der Kunst verloren. Kunst hat auch Heilkraft und will letzten Endes sagen: „Ich bin nicht zu haben. Sei so, wie ich bin: Ich bin Kunst (SEIN), und das ist ewig, und du bist auch ewig!“

Um die Kunst des Handelns wieder herzustellen, ist Karmyog unerlässlich.

Karmyog klingt für einen gewöhnlichen Menschen selbstverständlich, weil jeder für irgendwen, für irgendetwas, irgendwo, irgendwie etwas tut. Man beobachtet in der materiellen Welt stets die Handlung. Wenn man sich aber materiellen Erscheinungsweisen anhaftet, sich mit ihnen identifiziert, trennt man sich von der wahren Handlung. Wahre Kunst aber ist unfassbar, damit wertfrei.

Der menschliche Geist ist dazu befähigt, die Dinge getrennt bzw. mit Abstand zu betrachten. Betrachtet man die Dinge aus Abstand, stellt man fest: Es gibt zwei, Seher und Gesehenes. Diese Betrachtungsweise ist notwendig, um zu lernen und zu wachsen.

Gäbe es das nicht, gäbe es auch keine Weiterentwicklung. Wenn man sich aber in diese getrennte Betrachtungsweise verliert, verliert man sich auch im Ursache-Wirkungsdilemma der materiellen, relativen Welt, d. h. in der Dualität, was letztendlich nur auf EINS, das Ursache aller Ursachen ist, aufmerksam machen will, und entfernt sich damit von seinem wahren Wesen (Spiritualität,  Ewigkeit). 

Man sagt z. B. „Ich sehe dich.“ Bzw. „Du wirst gesehen“, der andere glaubt daran, „Ja, du siehst mich und ich sehe dich auch“ und damit ist keiner der Gesehenen dabei. Weder Seher noch Gesehener ist in diesem Fall gegenwärtig. Und so verliert sich der Mensch in der relativen Erscheinungswelt, („maya“ - Illusion) und trennt sich sogar auch von der relativen Welt, ist in der Illusion gelandet, ist nicht ganz da im Sein, sondern im Traum, und ist von der absoluten Welt meilenweit entfernt. Wenn man mit wachem Geist die Erscheinungswelt betrachtet, stellt man fest, es gibt weder Seher noch Gesehene, weil beide gleichzeitig sehen.

Nun ergibt sich die tiefgründige Frage: Wer ist der wahre Seher? Hier beginnt die Reise zum wahren Wesen des Menschen, nämlich zur Spiritualität, die Transformation von der materiellen zur spirituellen Welt. 

Der heutige Mensch ist sich nicht mehr seines SEINS (Selbst) bewusst, sein Bewusstsein ist getrübt, und  Neugierde, Kreativität und Kunst sind beeinträchtigt.

Die menschliche wahre Natur ist jedoch „SAT CHIT ANANDA“ („Sat“ – Sein, Wahrheit, „Chit“ – Erkenntnis, wahres Wissen, „Ananda“ – Glückseligkeit, Wonne, Zufriedenheit).

Das bedeutet: Steter bewusster hingebungsvoller Dienst ist dein wahres Wesen, es ist reines, allumfassendes Handeln, reine, bedingungslose Liebe, ohne Intention und ohne Lohn zu erwarten.

Ohne Karmyog,  der Kunst des ganzheitlichen Handelns, ist das nicht möglich. Sie umfasst im Wesentlichen noch zwei  Aspekte, nämlich „jñana“ – wahres Wissen  „bhakti“ – Hingabe. 

Kannst du das?

Das ist verdammt schwierig in dieser materiellen Welt. Das muss gelernt werden und das ist nur durch Tun mit Hilfe eines „Satguru“, eines wahren Meisters/Lehrers möglich.

Als Karmyogi bin ich immer für direktes Wissen. Buchwissen, Fachwissen, Bücher bzw. Wissen durch die Medien, ist indirektes Wissen, ist Begleitwissen. Das hilft zwar auch und macht aufmerksam, das Gelesene erst einmal zu erleben und anzuwenden, da es nur dann vollständig ist. Nur gelesenes oder gehörtes Wissen ist unvollständig und nützt wenig. 

Warum? Weil die Naturwissenschaft nur Wissen über die Natur, damit die materielle Welt, erforscht. Bekanntlich ist die Naturwelt relativ und begrenzt. Leider benutzt der Mensch dieses sehr gut von Forschern dokumentierte Fachwissen, worüber es zahlreiche Literatur gibt, nicht für die eigene Glückseligkeit, für eigene weitere Befreiung, sondern bleibt nur im naturwissenschaftlichen, intellektuellen Geist hängen. Er glaubt, das ist wahr. Wahrheit ist aber nicht das, was ist, sie muss erst durch eine hingebungsvolle Tat transzendiert werden. Ohne Transzendenz ist das Wissen unvollkommen und nicht ganz.

Genauso ist die Betrachtungsweise der Kunst auf diesen Level beschränkt.

Mit beschränktem Wissen sieht man - logischerweise  - beschränkt.

Der Mensch und die Welt sind aber geistige, spirituelle Wesen.

Die materielle Welt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, ist ein Spiegelbild der spirituellen Welt und damit auch der eigenen Seele, dem individuellen Selbst.

Das heißt, die Welt ist in uns, nicht wir sind in der Welt. Das muss man erst einmal richtig verstehen. 

Wer kann das Wahre („sat“) richtig verstehen?

Der menschliche Verstand kann es nicht, und Träumende können es schon gar nicht.

Um es ganzheitlich zu begreifen, muss man erst einmal vom Traum erwachen, d. h.: Ich sehe nur, es gibt nur Sehen, der Seher und das Gesehene sind eins. 

Ein vorrangiges Ziel und der erste entscheidende Schritt des Vereins für Sein ist nämlich, die Menschen aufzuwecken, dort abzuholen, wo sie sind, was sie sind, wie sie sind.

Das bedeutet, zunächst einmal geistige Klarheit, ungestörte Wachheit und Wahrnehmungsfähigkeit zu erlangen, sein Selbst und seine Umgebung durch konzentratives und meditatives Tun im täglichen Leben für eine Bewusstseinserweiterung zu realisieren. 

Karmyog ist naturgemäß die Kunst des Lebens, tagesbewusst zu leben, das Ergebnis ist nicht in deinen Händen. Das bedeutet: Tue, was du tust, ganz, bewusst, leibseelisch, Handlung, Gedanken und Gefühle in Einheit, ohne Bewertung, ohne Intention, ohne auf Früchte zu achten.  Dadurch wird dein Geist zu seinem wahren Wesen gereinigt, und wenn der Geist gereinigt ist, dann wird er still, kann sich demütig fragen: „Wer bin ich?“ und fängt an, sich in diese Richtung neugierig hinzugeben. Um sich selbst zu ergründen, („atmavichara“- Selbstergründung - jñanyog) muss er seinem wahren Selbst folgen, das im Herz ist, das  autonom und damit der Sitz der Seele ist. Das Herz umfasst alles, sowohl das Materielle, als auch das Spirituelle. Es hat Mitgefühl, das Menschliche in uns, das uns alle verbindet, damit sind wir alle eins. 

Nur eine Herzenslehre kann Herzen erreichen.

Wer kann denn nun das Herz lehren in dieser heutigen, digitalen, schnelllebigen Welt? Das Hirn nicht, Bücher und Fremdwissen schon gar nicht. Nur ein offenes Herz kann ein anderes Herz öffnen, anders ausgedrückt, nur ein Herz kann ein Herz lehren. Finde ein wahres Herz in unserer Gesellschaft, ich hoffe, du verstehst mich. Wahres Herz heißt, wahre Liebe ohne Absicht, das „paramatma“  (dem Höchsten Bewusstsein) hingebungsvoll dient.

Alleine das Hirn kann das wahre Selbst, die Seele nicht erreichen und damit schon gar nicht das universelle Bewusstsein. Der Verstand muss sich dem Herz hingeben, denn das Herz mit seinem großen Magnetfeld hat schnell Zugang zum kosmischen Gesetz und damit zum Ziel des Menschen, zur Selbsterkenntnis (Erlösung und Befreiung).

Befreiung wovon? Von Geburt, Alter, Leiden und Tod, die in der materiellen Welt allgegenwärtig sind.

Du bist aber kein materielles Wesen! Identifiziere dich nicht mit deinem Körper! Gehe achtsam mit ihm um, wie man mit dem eigenen Lieblingsfahrzeug umgeht, sei aber bewusst, es ist nur ein auf Zeit geliehenes Instrument.

Merke also: Kopf und Herz gemeinsam haben nur einem zu dienen, nämlich dem SEIN („sat“), der absoluten Wahrheit.

Daher ist das Ziel des Menschen Selbstbewusstsein, ein Mittel dazu ist Körperbewusstsein.

Selbstbewusstsein bzw. Selbstverwirklichung bedeutet, dass die individuelle Seele („atma“) die universelle Seele („paramatma“) erkannt hat. Man spricht von einer befreiten Seele, von Erleuchtung. Solange die Seelenbefreiung nicht erreicht ist, wird sie im Kreislauf von Geburt und Tod bleiben und nicht zur Ruhe kommen. („….unruhig ist unser Herz bis es ruht in dir“ - Hl. Augustinus)

Der  Mensch hat das höchste Potential und die Fähigkeit, dieses Ziel zu erreichen. Das ist möglich durch Meditation (auch das ist Karmyog), die durch einen „Satguru“ – SEINS-Lehrer, geschult und in gleichgesinntem Kreis geübt wird. 

Da wir unsere wahre Natur vergessen und uns im Zivilisationswahn verlaufen haben, ist eine spirituelle, wissenschaftliche Begleitung auf diesem Weg erforderlich.

Der „Verein für SEIN“ (der Name ist selbst erklärend) ist für alle offen.

Sein ist ewig, ohne Anfang und ohne Ende. 

(Vision des Vereins: Seins-Schule – Spirituelles Zentrum).

Vereinsbotschaft: VEREINT EUCH FÜR SEIN – WAHRHEIT – EWIGKEIT

 

OM TAT SAT

Yogi Krishnananda

Verein für Sein

 

„Sei ganz da, wo du bist, um das zu sein, was du bist!“

© 2018 Verein für SEIN