Weihnachten - Fest des Lichtes

 

In allen religiösen Traditionen werden bis heute Feste gefeiert, z. B. alle Jahre Weihnachten. Die tiefgründige Botschaft dieser Feste weist auf den Sinn ihres Ursprungs hin. Leider haben wir das vergessen. Der Entstehungsgrund war Freude, und um diese zu feiern, sind die Menschen zusammengekommen und verschönten diese Feste mit Lichtern und Süßigkeiten, Gaben der damaligen Zeiten. Zu dieser Zeit waren die Leute noch mehr im Sein verwurzelt.

Licht ist auch ein Symbol der Freude, Offenheit und Klarheit. Mit Dankbarkeit und häuslichen guten Gaben wurde dem SEIN, dem Gott, geopfert und anschließend das Restliche selbst genossen. In diesen Zeiten war „HABEN um zu SEIN“ die Basis. Was für eine tiefgründige Hingabe und Beziehung, dem Göttlichen zu opfern und das Göttliche in sich, das eigene innere Licht mit Demut und in Bodenständigkeit herzlich zu nähren!

Die Traditionen werden von Generation zu Generation überliefert und durch die soziokulturelle Entwicklung verändert. In der ursprünglichen Tradition stand die Spiritualität, das Menschliche in uns im Mittelpunkt. Die geistige, intellektuelle, wissenschaftliche, technische und kulturelle Entwicklung hat dieses menschlich spirituelle Wesen in uns, unser Herz überstimmt, d.h. unser Intellekt, unser rationales Denken richtet sich mehr nach außen und das Innere muss dem notgedrungen folgen. So ging die Entwicklung vom Sein mehr in Richtung HABEN, und das Haben nutzt die Tradition, um noch mehr Haben zu erzeugen, also „SEIN um zu HABEN“.

Die Botschaft bleibt die gleiche, Liebe, Menschlichkeit, Freude, Zusammenhalt, usw., aber von innen nach außen gedreht, d. h. die Menschen haben diesen Eigenschaften Absicht und Intention zu Grunde gelegt. Eine solche Absicht ist ihnen nicht bewusst genug, leider. Um anderen Freude zu machen, weil ich sie liebe, schenke ich lieben Menschen, spende ich Notdürftigen, finden viele karitative Veranstaltungen statt, die unterschwellig auch andere Absichten verfolgen. Leider wird das Menschliche mehrheitlich zum Teil unbewusst vom Haben, von „maya“ (der Kraft der Illusion) angezogen, hat sich an die heutigen Gegebenheiten angepasst und ist dadurch vom Inneren mehr nach außen gelenkt worden.

Unserer Tradition gemäß müssten die Menschen aus dem Herzen leben – Liebe, Friede, Herzlichkeit, Geduld, Toleranz, Gewaltlosigkeit, … das sind die Eigenschaften des Herzens. Sie werden aber vom Haben als Mantel benutzt, der die Absicht, Eigeninteressen, Intentionen, die diese „persona“, das falsche Ego im Mittelpunkt hat, verdecken soll, um damit die eigene Außendarstellung zu optimieren, Anerkennung zu erhalten, mehr zu zeigen, zu scheinen, wie z. B. ICH bin der Großzügige, ICH gebe etwas, ICH spende … usw.

Durch die Identifikation mit den guten Eigenschaften versucht das falsche Ego die Außenwelt von sich zu überzeugen mit der Erwartung, Anerkennung zu bekommen und auf sich aufmerksam zu machen. Das Innere strahlt zwar durch den Mantel, sodass das falsche Ego glaubt, das sei sein eigenes Licht und somit sich und die anderen verblendet.

Das innere Licht macht jedes Jahr aufmerksam, dass das, was getan wird, diese Absicht, Freude zu machen, Gutes zu tun, anderen zu helfen, auf die eigenen inneren Bedürfnisse hinweist, auf den eigenen inneren Hilfeschrei.

Unsere Traditionen wollen uns immer wieder erinnern, was wir vergessen haben, nämlich das wahre Sein, die wahre Natur, das wahre SELBST, das innere Licht, die wahre Quelle, den göttlichen Funken und das strahlt durch „maya“ hindurch.

Werden die Eigenschaften des Inneren, wie Freude, Liebe, … usw. vom falschen Ego gefärbt, erzeugen sie Polarität, Freude – Leid, Liebe – Hass, Friede – Streit, Harmonie – Krisen, Glück – Sorgen, usw. Dadurch entwickeln sich zwei Bewusstseinsströmungen, sowohl individuell als auch kollektiv. Es gibt einen Ozean der Freude und gleichzeitig ein kollektives Bewusstsein des Leidens. Zu Weihnachten werden wir auf das Leid neben uns aufmerksam, welches wir das ganze Jahr über nicht beachtet haben. Wir sind in einem Dilemma von Ursache-Wirkung gefangen. Diese äußere Freude hilft, die Leidenden zu unterstützen, was natürlich beruhigt, weil wir dadurch unbewusst dem Menschen dienen (der andere dankt für die Hilfe), aber wir bleiben im Ego-Programm und sehen nicht bzw. vergessen das eigene innere Programm. Beide haben den Sinn verloren, sowohl der freudige Geber als auch der leidende Nehmer. Beide hängen an den Seilen der gegenseitigen Unterstützung, haben aber den Boden verloren.

Weihnachten wäre ein Fest der Freude, der reinen Liebe, von allgegenwärtigem inneren Licht ohne jegliche Leiden, löst aber leider auch sehr viel Kummer und Krisen aus.

Weihnachten ist daher ein Weckruf zu Christusbewusstsein, SELBST-Bewusstsein, ewigem Licht.

Licht vertreibt die Dunkelheit, was ähnlich wie im Sanskritwort „guru“ heißt: Der aus der Dunkelheit ins Licht führt. Daher ist Weihnachten unser Guru, die wahre Erste Hilfe für die Seele. Sonst können wir nur oberflächlich kurzfristig helfen und erreichen den tief verborgenen Schrei nicht. Wir hören zwar das Echo, wissen aber nicht, woher es kommt, wer der Erzeuger ist. Wir müssen das Äußere reduzieren und zum Inneren zurückkehren. Um dahin zu kommen, müssen wir loslassen und das ist schwierig aber möglich, Meditationen helfen dabei.

Die östlichen Meditationstechniken im Westen machen nicht nur aufmerksam, sondern neben der abendländischen, christlichen Tradition unterstützen sie die Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Die ursprüngliche wahre Meditation ist wahre Liebe ohne Intention, ohne Erwartung, reiner SEINS-Zustand und ist damit subjektiv/individuell. Leider werden gelernte östliche Meditationstechniken bei uns im Westen bereits kommerzialisiert und für Haben, für Geld verdienen genutzt und sind damit auch nur kurzfristig hilfreich.

Dank der Geburt Christi ruft das ewige Licht, das uns Menschen alle vereint, auf, bewusst Glück, Zufriedenheit, Friede und alle diese menschlichen Eigenschaften, die in der Dunkelheit von „maya“ vergeblich gesucht werden, zu entzünden und zu kultivieren. Das ewige Licht, das in meinem Herzen leuchtet, leuchtet auch im Herzen meines Nächsten. Nicht das falsche Ego verbindet uns, sondern das wahre Selbst, das Christusbewusstsein. Deshalb hat Weihnachten mit Äußerlichkeit wenig zu tun und ruft umso mehr zur Rückbesinnung auf das eigene Selbst auf.

Weihnachten ist nicht nur ein Fest der Freude und der Liebe, sondern in erster Linie auch ein Fest des Glaubens an sich selbst, er ist die Wurzel und Kraft, die uns als den Baum der Menschheit zusammenhält. Der Mensch hat die Fähigkeit, diese alldurchdringende Kraft zu erfahren und zu erkennen. Die göttliche Kraft offenbart sich immer wieder in Menschen, wie Christus, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. Christus ist in jedem und in allem, erinnere dich nur und feiere diese nächsten Weihnachten in diesem Sinn herzlich mit Christus-Bewusstsein (SELBST-Bewusstsein) und trage dieses Licht hinaus in die Welt! 

Wo Fröhlichkeit ist, ist auch immer Weihnachten.

 

In diesem Sinn wünschen wir als Verein für Sein allen Menschen friedliche und besinnliche Weihnachten als Fest des Lichtes und viel Freude, Glück, Zuversicht und Harmonie für das kommende Jahr.

 

OM TAT SAT

Yogi Krishnananda

© 2018 Verein für SEIN